Yoko Ono: Earth Piece, 1963 (Ausschnitt) - Anweisung publiziert in “Grapefruit”
Yoko Ono: Earth Piece, 1963 (Ausschnitt) - Anweisung publiziert in “Grapefruit” - © Yoko Ono

YOKO ONO. PEACE is POWER

Yoko Ono gilt als Gesamtkunstwerk, als Performance, die ganz im Dienste eines immer wieder eingeforderten Friedens steht. Die ihre gesamte Energie in die Kunst und ihre gesamte Kunst in den Kampf für Liebe und Weltfrieden steckt. Die Kriegserfahrung des zerbombten Tokyos mit anschließenden Hungerjahren hat sie selbst als Kind erlebt und jene Zeit hat ihre Kunst maßgeblich geprägt. Doch wie genau sieht ihr Kampf eigentlich aus? Interviews im eignen Ehebett und gemeinsames nacktes Posieren für Plattencover war sicherlich ein Novum in jener Zeit damals, als die Hippiekultur mit Love and Peace die Welt verändern wollte und es auch ein klein wenig geschafft hat. Diesen Verdienst können sich auch John Lennon und seine Frau anrechnen. Yoko Ono aber hat diesen Kampf in Formalin eingelegt, als konserviertes Präparat, welches für die heutigen Generationen nur noch das vergilbte Abbild eines verklärten Lebensgefühls ist. Sie wiederholt mantra-artig die Erklärungen für ihren abstrakten Friedensbegriff, der aus einer Zeit stammt, in dem echte Bomben auf echte Staaten geworfen wurden und eine junge Generation geschlossen dagegen aufbegehrte und nebenbei das Politische auch mit dem Angenehmen verband, Sex und Drogen inklusive. Klar, Krieg ist leider immer noch ein aktuelles Thema, und Weltfrieden der Wunsch, der nach wie vor über allem steht. Aber Yoko Ono praktiziert ihr Love and Peace weder im Kleinen noch im Großen wirklich authentisch, auch wenn sie felsenfest daran glaubt, dass jeder Mensch dazu in der Lage sei. Praktisch ist es tatsächlich möglich, die Welt ein Stück weit zu verbessern. Viele einflussreiche, vermögende Prominente machen das vor. Yoko Ono hält nicht viel von praktischer Hilfe; sie möchte das über die Kunst erreichen, möchte die Menschen wachrütteln, indem sie John Lennons blutverschmierte Brille postet, Kreuze aufstellt oder Nägel in Bretter schlägt. Ist das ein Kampf für den echten Frieden da draußen, oder nur für ihren eigenen abstrakten Friedensbegriff, der sich ihrer Vorstellung von Kunst so wunderbar als Motivation voranstellen lässt?

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig zeigt vom 4. April bis 7. Juli „YOKO ONO. PEACE is POWER“ und präsentiert mit der 86-jährigen Künstlerin zweifellos einen Superstar; eine Persönlichkeit, die das vergangene Jahrhundert maßgeblich mit geprägt hat. Die Ausstellung ist fünf Jahre nach ihrer Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt ihre bislang umfangreichste Werkschau in Deutschland. Die rund 60 gezeigten Arbeiten und Werkreihen in Leipzig hat die Künstlerin gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund und Kurator Jon Hendricks sowie Alfred Weidinger ausgewählt. Also, gehen Sie hin, schauen Sie sich an, wie Yoko Ono sich in der Theorie eine bessere Welt vorstellt. Und dann gehen Sie nach Hause, und verbessern sie selbst ein bisschen. Denn Yoko wird das nicht für Sie tun.

Was?YOKO ONO. PEACE is POWER
Wo? – MdbK | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Leipzig
Wann? – Ausstellung vom 04.04.2019 bis zum 07.07.2019


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