Mara Mattuschka: Messerschmidt 4, 2018 (Ausschnitt)
Mara Mattuschka: Messerschmidt 4, 2018 (Ausschnitt) - Courtesy the artist, © Bildrecht, Wien, Foto: Pixelstorm, Vienna

TALKING HEADS. Zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt

Inspirierende Werke voller Poesie, bis zur Perfektion getriebene handwerkliche Vollendung und Kunst, die sowohl beeindruckt als auch verzaubert: Wer all das sucht, sollte vom 8. März bis 18. August 2019 einen großen Bogen um das Belvedere in Wien machen. Jenen Zeitgenossen, die mit Kunst so gar nichts anfangen können oder sich nur zufällig in der Gegend aufhalten, etwa Passanten, Touristen oder Geschäftsreisenden, sei ebenfalls von einem Besuch abgeraten. Und das liegt an „TALKING HEADS. Zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt“. Franz Xaver Messerschmidt hat, genau wie Arnulf Rainer, Miriam Cahn oder Mara Mattuschka, etwas Zeit und relativ wenig Material aufgewendet, um aus Gesichtern, Büsten und Portraits entstellte Gesichter, Büsten und Portraits zu machen. Das ist nicht besonders schwierig. Gute Ergebnisse erzielt der interessierte Laie hier bereits mit einem Kugelschreiber und dem Titelfoto einer Fernsehzeitschrift. Ein wenig über die Augen gekrakelt, den Mund als verzerrtes Grinsen nachgemalt – fertig ist die verstörende Fratze. Doch wie schon bei Maria Lassnig (die selbstverständlich ebenfalls bei dieser Ausstellung vertreten ist) stellt sich auch hier die Frage: Wer will das sehen? Und warum?

Wenn Köpfe sprechen und keiner hört zu

Die Ausstellung im Belvedere möchte Fragen aufwerfen nach Kategorien wie Psyche, Wahrnehmung und (Selbst-)Bespiegelung der Künstler und ihrer Darstellung psychischer Extremsituationen. Überflüssig zu erwähnen, in welcher psychischen Verfassung die Künstler sich vermutlich befunden haben und wie das Ergebnis dementsprechend ausfällt. Wir leben im Jahr 2019 und das Schöne ist, dass es eigentlich gar nicht nötig wäre, schöpferisch tätig zu werden, nur weil der Kopf mal nicht so richtig will. Bevor also zum Material gegriffen wird, würde ich zunächst mal den eigenen Vitamin D-Spiegel im Blut bestimmen lassen. Mit der Behebung eines Mangels könnte hier manchmal schon viel bewirkt werden. Und auch, wenn der Schuldige nicht in einem Vitamin, sondern in einem Botenstoff zu finden ist, gäbe es schon erstaunliche Möglichkeiten, ein Gleichgewicht herzustellen. Das würde uns viele Talking Heads ersparen (mir reichen jene, die irgendwann in den 1980ern musizierend auf ihrer „Road to Nowhere“ unterwegs waren, völlig aus) und Platz machen für inspirierende Werke voller Poesie, bis zur Perfektion getriebene handwerkliche Vollendung und Kunst, die sowohl beeindruckt als auch verzaubert. Eben das, was man im Museum gerne sieht.

Was?TALKING HEADS. Zeitgenössische Dialoge mit F.X. Messerschmidt
Wo? – Orangerie, Unteres Belvedere | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Wien
Wann? – Ausstellung vom 08.03.2019 bis zum 18.08.2019


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