Sachliches in Schwarz-Weiß

Aenne Biermann blieben nur wenige Jahre, um mit ihrer Fotografie Erfolg zu haben. Als Autodidaktin eignete sie sich ihre umfangreichen Kenntnisse in den 1920er Jahren selbst an und professionalisierte diese, bis sie im Alter von nur 34 Jahren verstarb. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit ihren die Sujets Portrait, Stillleben und Landschaft umfassenden Aufnahmen bereits auf internationalen Fotoausstellungen der frühen 1930er Jahre vertreten.

Vielleicht ist es ihr früher Tod, vielleicht auch die Tatsache, dass der Großteil ihres etwa 3000 Negative umfassenden Werkes bis heute als verschollen gilt, die Biermanns Fotografien so eindrucksvoll erscheinen lassen. Sie selbst verpflichtete sich der Stilrichtung des Neuen Sehens; versuchte, festgefahrene Strukturen von Komposition, Beleuchtung und Belichtung aufzulockern.

Es ist schon eine beeindruckende Aura, die die fast 90 Jahre alten Bilder; die sachlich abgebildeten Alltagsgegenstände und die Mimik der Portraitierten umgibt und der man sich tatsächlich nur schwer entziehen kann – selbst wenn man als Artdates-Redakteurin der Fotografie weniger interessiert gegenübersteht als der Malerei. Aenne Biermann sollte man dann aber doch einmal gesehen haben. Allein schon, weil sich diese Gelegenheit nicht oft ergibt.

Vom 16. Juni bis 30. September präsentiert das Museum Ludwig in Köln mit „Name der Fo­to­grafin: Aenne Bier­mann. Fotoraum“ nun erstmals vollständig seinen Bestand von über 20 Aufnahmen und gibt Besuchern so die Möglichkeit, die besondere Atmosphäre der äußerst raren und selten gezeigten Schwarz-Weiß-Fotografien auf sich wirken zu lassen.

Kategorie: Kunst zum Betrachten, Kunstausstellung
Veröffentlicht von

Julia arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und ist bei der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen beteiligt. Ihre großen Leidenschaften neben der Kunst sind englische Krimis, Comic-Strips und die mediterrane Küche.


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