Plakative Handwerkskunst

Originell, nicht außergewöhnlich, dafür jedoch oft mit Wiedererkennungswert und klarer Aussage: Volker Noth gestaltet seit 40 Jahren Plakate für Film, Theater und Kino sowie Buchcover, die in Motivauswahl und Umsetzung durchaus überzeugen. Von Scherenschnitt-ähnlichen Figuren und farbigen geometrischen Formen über Schriftzüge bis hin zu Szenenbildern in Schwarzweiß ist alles dabei und wirkt somit ein wenig, wie das Portfolio einer alt eingesessenen Werbeagentur. Ein Auge fürs Detail, ein Blick für die Gesamtkomposition und ein Gespür für die richtige Wirkung kommt ihm dabei zugute und erweckt beim Betrachter den Eindruck, seine Werke schon tausende Male gesehen zu haben. Und wahrscheinlich ist das sogar der Fall: Alles wirkt so vertraut und schlüssig auf Noths Plakaten und Büchern. Reduziert auf das Wesentliche, selbsterklärend und hervorstechend, ohne aufdringlich zu sein, trifft man sie seit Jahrzehnten im Vorfeld so mancher Premiere an Litfasssäulen und in Schaukästen.

Er ist eben durch und durch Grafiker, der sein Handwerk selbstverständlich versteht, dem aber vielleicht manchmal vor lauter Handwerk die Kunst abhanden gekommen ist. Möglicherweise wollte und will er aber auch gar kein Künstler sein und vom 4. Juli bis 26. August im Kunstmuseum Bayreuth mit „Suchen | Probieren | Machen – Plakate von Volker Noth“ auch einfach nur zeigen, was alles so möglich ist im Bereich der Plakatgestaltung und wie es sich über die Jahrzehnte verändert hat. Dann dürfte die Ausstellung auf jeden Fall anregend sein für so manchen Werbegrafiker und Mediendesigner mit Nostalgie-Faible. Und da nach Meinung der Artdates-Redaktion das Handwerk in der Kunst ohnehin meist zu kurz kommt, darf es eben diesmal ruhig auch mal nur Handwerk sein.

Kategorie: Kunst zum Betrachten, Kunstausstellung, Kunstmuseum
Veröffentlicht von

Julia arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und ist bei der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen beteiligt. Ihre großen Leidenschaften neben der Kunst sind englische Krimis, Comic-Strips und die mediterrane Küche.


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