Johannes Kahrs; Untitled (Jesus aged 43), 2015 (Ausschnitt)
Johannes Kahrs; Untitled (Jesus aged 43), 2015 (Ausschnitt) - Courtesy of the artist and Zeno X Gallery, Antwerp - © Johannes Kahrs

MICHAEL JACKSON: ON THE WALL

Wie ein Heiliger blickt Michael Jackson, ikonengleich und entrückt, mit gefalteten Händen auf die Welt hinab. Diese Welt, die er, der schillernde und zugleich sensible Ausnahmekünstler, nicht versteht. Die ihn nicht versteht. Die ihn feiert und fallen lässt, die ihn bewundert, verachtet, rehabilitiert und aktuell erneut anklagt. Diese Welt, in der seine Musik unsterblich wird, während er sich schon lang nicht mehr lebendig fühlt.

On the Wall ist nur Fassade

Michael Jackson zählt zu den einflussreichsten Künstlern des vergangenen Jahrtausends, er inspirierte zahlreiche Maler und Bildhauer, wurde zur meist dargestellten Figur der Medienwelt. In diesem Jahr jährt sich Jacksons Todestag zum zehnten Mal, doch es ist alles andere als still um ihn geworden. Jenseits der reißerischen Schlagzeilen um den sexuellen Missbrauch kleiner Jungen kommt nämlich noch eine andere Besonderheit, allerdings deutlich leiser, daher. Es ist die beginnende Geschichte seines beträchtlichen und bis heute noch wenig thematisierten Einflusses auf die zeitgenössische Kunst.

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt vom 22. März bis 14. Juli „Michael Jackson: On the Wall“ und verdeutlicht damit die Wirkung von Michael Jackson auf einige der führenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen bildenden Kunst. Die Ausstellung umfasst mehrere Künstlergenerationen sowie alle Medien, es werden erstmals Werke von über vierzig Künstlern versammelt, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen in aller Welt stammen. Was zunächst daherkommt wie eine Gratwanderung zwischen allgegenwärtiger Popkultur und unerträglichem Kitsch, den der exzentrische King of Pop selbst so gern auf seiner Neverland-Ranch um sich drapierte, erweist sich bei näherer Betrachtung als voyeuristischer Blick auf die Fassade einer zerrissenen Seele. Michael Jackson, wie er performt und leidet, wie er Superlative erschafft und dabei doch so an der Oberfläche bleibt, als ginge es ihm nur darum, dem Volk die Unterhaltung hinzuwerfen, die es verlangt. Die Bilder arbeiten sich an ihm ab, wie er sich an seiner Kunst abgearbeitet hat, und bleiben dabei ebenso an der Oberfläche. Trotzdem fördern die gezeigten Werke etwas zutage, das – auch wenn es den Tiefgang vermissen lässt – vielleicht das Tragischste an der Figur Michael Jackson ist: Sie spalten das Mensch-sein vom Künstler-sein ab, genau wie er es bei sich selbst vollführte.

Was?MICHAEL JACKSON: ON THE WALL
Wo? – Bundeskunsthalle | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Bonn
Wann? – Ausstellung vom 22.03.2019 bis zum 14.07.2019


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