Maria Lassnig: Double autoportrait sans pitié, 1999 - © Maria Lassnig Stiftung
Maria Lassnig: Double autoportrait sans pitié, 1999 - © Maria Lassnig Stiftung

Lassnigs Leiden

Das erste, was bei Maria Lassnigs Bildern auffällt, ist, dass die Gesichter alle gleich aussehen. Und nicht nur gleich, sondern auch verstörend, schrecklich und gequält.
Maria Lassnig litt ein Leben lang; sie war einsam, unsicher und fühlte sich zurückgewiesen. All diese negativen Erfahrungen und Gefühle verarbeitete sie in ihren Bildern; sie malte – nicht sehr angenehme – körperliche Emotionen sichtbar, präsentiert dem Betrachter groteske Fratzen, gequälte Minen und entstellte Leiber. „Maria Lassnig. Zwiegespräche“ zeigt vom 12. Mai bis 26. August im Kunstmuseum Basel in rund 80 Werken die tiefgreifenden Empfindungen, die Körperwahrnehmung und die innere Zwiesprache einer sensiblen, depressiven und körperlich leidenden Frau.

Zweifellos ist das beeindruckend und künstlerisch grandios umgesetzt. Die Frage ist nur: Wer möchte das sehen? Nicht im Sinne von „Wen interessiert’s?“, denn interessant sind die Bilder allemal. Sondern vielmehr: Möchte ich mir das antun? Kunst muss nicht schön sein, ich weiß, ich weiß. Es schadet aber auch nicht, wenn sie es ist. Und es spricht auch nichts dagegen, eine Ausstellung mit einem guten Gefühl zu verlassen. Aber wer genau das möchte, sollte eben nicht zu Maria Lassnigs Zwiegesprächen gehen. Ja, sie gibt mit einer beeindruckenden Linienführung ihr Innerstes preis. Und ja, man kann sich dem stellen. Muss man aber nicht. Nur weil etwas die Realität, oder vielmehr eine subjektiv empfundene Realität, abbildet, muss ich nicht hinschauen. Denn auch eine Obduktion fördert das Innerste zutage und zeigt nur die Realität. Und auch da schaue ich lieber weg.

Maria Lassnig. Zwiegespräche
Kunstausstellung vom 12.05.2018 bis zum 26.08.2018
Kunstmuseum Basel | Basel | Schweiz
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Kategorie: Kunst zum Betrachten, Kunstausstellung, Kunstmuseum
Veröffentlicht von

Julia arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und ist bei der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen beteiligt. Ihre großen Leidenschaften neben der Kunst sind englische Krimis, Comic-Strips und die mediterrane Küche.


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