Jean-Auguste-Dominique Ingres und Werkstatt: Odalisque in Grisaille
Jean-Auguste-Dominique Ingres und Werkstatt: Odalisque in Grisaille - © bpk ǀ The Metropolitan Museum of Art

Museumsvorschau (12/2018): Vom Fehlen der Farbe – Kunst in Schwarz-Weiß

Wenn man für Artdates unterwegs ist, sieht man sehr viel, aber selten soviel auf einmal: Dürer, Tizian, Rubens, Ingres, Degas, Pollock – was sich liest wie eine kurze Zusammenfassung der letzten 500 Jahre Kunstgeschichte, ist nur eine unvollständige Auflistung dessen, was das Düsseldorfer Museum Kunstpalast seinen Besuchern in dieser Woche unter dem Titel „Black & White“ zu bieten hat. Und hier wird auch schon der kleine Wermutstropfen sichtbar: Kunst der ganz Großen gibt es dort eben nur in Schwarz-Weiß. Was für Mottoparties ein zeitlos beliebtes Thema ist und interessanterweise auch in der Kunst eine lange Tradition hat, mag auf manchen Betrachter unbefriedigend wirken: Das Fehlen von Farben.

Freilich liegt das nicht an der Ausstellung, die mit „Black & White“ tatsächlich wieder einmal eine interessante Lücke aufgespürt hat und genre- und epochenübergreifend Gemeinsamkeiten offenbart, wo man nun wirklich keine mehr vermutet hätte. Es ist wohl mehr die unbefriedigende Tatsache, dass sich Bilder unvollständig anfühlen, wenn sie weniger zeigen, als sie zeigen könnten. Dafür gab es zu jeder Zeit gute Gründe; im Mittelalter etwa glaubte man, Farben seien eine überflüssige und schändliche Ablenkung vom Gebet, so wie ja jeder Genuss irgendwie als Teufelswerk galt.

Aber allen Erklärungen zum Trotz wird man beim Besuch der Ausstellung das Gefühl nicht los, einen alten, bebilderten Kunstband in den Händen zu halten, dessen schwarz-weiße Fotografien die wahre Schönheit der beschriebenen Werke niemals wiedergeben können. Nun mag der eine oder andere anmerken: Dieser Vergleich hinkt – sind doch das eine lediglich Fotos, die aufgrund der technischen Möglichkeiten oder hohen Kosten von farbigen Gemälden gemacht wurden, während das andere ja tatsächlich bewusst so gemalte Bilder in Grautönen sind. Und das stimmt sogar. Aber dennoch mutet es an wie die kleine und unbedeutendere Version von etwas ganz Großem; denn wenn dem nicht so wäre: Warum kannten wir sie bisher nicht, die Tizians, Rubens und Pollocks in Schwarzweiß? Genau.

Ausstellungseröffnung der Woche:

Was?Black & White. Von Dürer bis Eliasson
Wer? – Ingres, Degas, Rubens, Picasso, Pollock u. a. m.
Wo?Museum Kunstpalast | Düsseldorf | Deutschland
Wann? – Ausstellung vom 22.03.2018 bis zum 15.07.2018
Wieso? – Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt die Schwarz-Weiß-Version des berühmten Frauenaktes „Die große Odaliske“ von Ingres sowie das einzige bekannte Grisaille-Gemälde von Degas, „Ballettprobe auf der Bühne“. Weitere hochkarätige Leihgaben stammen u. a. von Mantegna, Tizian, Rubens, Pollock, Giacometti, von Chuck Close, Bridget Riley und Gerhard Richter sowie von Zero-Künstlern wie Piene, Mack und Uecker.
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