Keith Haring Ohne Titel, 1982 Sumi-Tinte und Acryl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen Courtesy The Brant Foundation, Greenwich, Connecticut, USA © The Keith Haring Foundation
Keith Haring: Ohne Titel - © The Keith Haring Foundation

Museumsvorschau (11/2018): Keith „Ohne Titel“ Haring & Gerhard „Omnipräsent“ Richter

Naiv und fröhlich und doch tragisch und düster. Keith Haring, das große Kind der 80er Jahre Pop Art, brauchte nur wenige Striche, um seine Gefühle mit der Welt zu teilen, Protest zu zeigen und Freude zu verbreiten. So sehr man sich jedoch an den berühmten Strichmännchen und Comicfiguren mit ihren Strahlen und Herzen erfreuen kann, so wenig bekommt man doch die tragische Biografie des verrückten New Yorkers aus dem Hinterkopf, der 1990 mit nur 31 Jahren an AIDS starb.

Sein Aufschrei gegen Politik und Gesellschaft wurde erhört; seine symbolträchtigen Figuren sind so bekannt, dass die Ausstellung „Keith Haring. The Alphabet“ vom 16. März bis 24. Juni in der Albertina Wien vielleicht doch schon etwas abgegriffen wirkt: Keith Haring, ist das nicht der mit den Männchen auf Einkaufstüten, Uhren, Postern und T-Shirts? Ja. Dem einfachen Kommerz war er nicht abgeneigt, ob als Ohrringe, Lampen oder lustige Buttons – jeder hat sie schon gesehen, die eingängigen Figuren. Bei soviel Pop Art in den letzten Jahrzehnten kann die Ausstellung dem schnell gelangweilten Auge also nicht wirklich eine visuelle Überraschung präsentieren.

Andererseits sieht man Haring zwar überall millionenfach gedruckt, aber eben selten im Original und vor allem im Kontext als ernstzunehmender Künstler, der uns sein Alphabet näher bringen will. Seine Symbolsprache, die von ihrer Aktualität nichts eingebüßt hat und vielleicht daher von jedem, wirklich jedem, verstanden wird. Und all das Schon-so-oft-Gesehene nun in Echt und Groß und ohne ablenkendes Drumherum? Das kann klappen, wenn man sich darauf einlässt. So ein Original ist eben keine bedruckte Einkaufstüte.

Fällt in der Artdates-Redaktion anerkennend der Name Gerhard Richter, so wird gelegentlich von mancher Seite mit den Augen gerollt. Omnipräsent sei er schließlich, und man selbst gilt schnell als Groupie; als eines dieser leicht beeinflussbaren jungen Dinger, die in die allgegenwärtige Lobpreisung des Künstlers einstimmen und dabei wenig revolutionär sind.

Denn Richter zeigt keinen Hitlergruß auf der Bühne, nutzt keine blutenden Tierkadaver für seine Performance-Kunst und schmiert auch nicht mit Exkrementen. Er malt einfach hübsche Bilder. Und das so vielseitig und ausdauernd, dass man einfach den Hut ziehen muss. Früher noch etwas gegenständlich und teils fotorealistisch, später dann abstrakter und experimenteller: Richter hat sich nie so richtig festgelegt. Da verschwimmen Wirklichkeit und Abstraktion zu einer Art Traumgebilde. Gesichter (bekannte und unbekannte), Vorhänge, Formen, Zwischenwelten… genau diese frühen Werke zeigt nun das Museum Wiesbaden vom 16. März bis 17. Juni in Erinnerung an eine der ersten Museumsausstellungen Gerhard Richters im Jahr 1966 in eben jenen Räumen. Viele Bilder wirken wie Momentaufnahmen aus einem Stephen-King-Film. Sie muten unheimlich und surreal an und man fragt sich, wie er mit seinen Mischtechniken solch eine Wirkung erzielen kann. Das ist vielleicht heute nicht mehr revolutionär, aber es funktioniert noch immer.

Ausstellungseröffnungen der Woche:

Was?Keith Haring. The Alphabet
Wer? – Pop-Art-Künstler Keith Haring
Wo?Albertina | Wien | Österreich
Wann? – Ausstellung vom 16.03.2018 bis zum 24.06.2018
Wieso? – Anlässlich seiner 60. Geburtstages in diesem Jahr zeigt die umfassende Ausstellung rund 100 Werken aus internationalen Museen und privaten Sammlungen.
Was?Gerhard Richter — Frühe Bilder
Wer? – Maler & Fotograf Gerhard Richter
Wo?Museum Wiesbaden | Wiesbaden | Deutschland
Wann? – Ausstellung vom 16.03.2018 bis zum 17.06.2018
Wieso? – In der Sammlung des Museums Wiesbaden befinden sich sechs frühe Arbeiten Gerhard Richters aus den Jahren 1964 bis 1968. Im Kontext weiterer früher Werke der Jahre bis 1974 zeigt die Ausstellung die grundsätzliche Auseinandersetzung Richters mit dem Medium Malerei, die in diesen Jahren begann und bis heute anhält.
Aktuell laufende Kunstausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie übersichtlich nach Städten sortiert auf dieser Seite zusammengetragen.
Kategorie: Kunst zum Betrachten, Museumsvorschau
Veröffentlicht von

Julia arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und ist bei der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen beteiligt. Ihre großen Leidenschaften neben der Kunst sind englische Krimis, Comic-Strips und die mediterrane Küche.


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