Jonathan Meese – »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)« – Mutter / Evolution
2014-2019 © PHOTOGRAPHY JAN BAUER . NET / COURTESY JONATHAN MEESE . COM

Jonathan Meese – »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)« – Mutter / Evolution

Die Arbeit in der ART|DATES-Redaktion ist durchaus geprägt von differenzierten Betrachtungsweisen hinsichtlich eines Künstlers, die dann auch schon mal als subtile Anregungen zur Ausstellungsbesprechung formuliert werden. In Bezug auf Jonathan Meese lautete die diskrete Bemerkung meines geschätzten Kollegen: „Jonathan Meese, was der fabriziert, ist doch abscheulich!“

Und tatsächlich macht es einem Jonathan Meese sehr einfach, seine Kunst und auch ihn nicht zu mögen. Seine Person polarisiert. Die einen sehen in ihm ein provokantes Genie, die anderen einen entwicklungsverzögerten, infantilen Sonderling, dem man in seiner Jugend Zeichenpapier und Buntstifte gab, damit er bloß keinen größeren Unsinn anstellt. Dieser therapeutische Ansatz hat gut funktioniert. Mama ermöglichte ihm daraufhin das Kunst-Studium (da ist der Junge wenigstens beschäftigt) und bald schon wurde er von der Berliner Galerie „Contemporary Fine Arts“ unter Vertrag genommen. Frischer Wind mal wieder, ein Verrückter, der was zu sagen hat, der die Menschen zum Hinschauen zwingt. Impulsiv, anarchisch und expressiv.

Hinschauen und weghören

Der Hitlergruß und diverse Nazisymbolik durften natürlich nicht fehlen – fast glaubt man, das erwarte das Publikum ja schließlich. Also nahm der Kunstmarkt den schrillen Querkopf wohlwollend auf, feierte seine Installationen, seine bunten und mit Sprachgewirr versehenen Bilder, seine Performance-Kunst. Niemand versteht so genau, was er eigentlich zu sagen hat. Er sagt es trotzdem ständig; auf der Bühne, auf der Leinwand und sogar in seiner Musik. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn – und vermutlich alle überschätzen ihn. Aber lassen wir doch mal die skurrile Person Jonathan Meese beiseite und schauen uns an, was er da seit Jahren unermüdlich fabriziert: Meeses Werk, das ist groß, das ist chaotisch, das ist irgendwie… beeindruckend! Es ist sinnfrei, und zugleich von einer besonderes Ästhetik in Farbe und Form. So verschroben der Künstler wirkt, so in-sich-stimmig muten seine Bilder an. Bunte Comic-Collagen, bizarre Figuren und Schriftzüge, die nichts sagen, sondern einfach nur illustrieren. Worte und Buchstaben als Dekor einer farbenfrohen, expressiven Reise durch einen – ja, natürlich durchgeknallten – aber lebendigen und ungezähmten Kopf. Man kann ihm einfach nicht übel nehmen, dass er ist, wie er ist; denn das, was am Ende dabei herauskommt, gibt ihm Recht. Genau wie sein Erfolg. Und so sollte man auch nicht versuchen, die Arbeiten zu verstehen, denn das wird nicht gelingen. Am besten, man hört weg, wenn er sie erklärt. Doch man kann seine Werke ansehen und Gefallen daran finden, sie genießen und mit der gleichen kindlichen Naivität über sie staunen, mit der Jonathan Meese sie erschaffen hat.

Die Kunsthalle St. Annen zeigt vom 31. März bis 4. August „Jonathan Meese – »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)« – Mutter / Evolution“ und bietet einen retrospektiven Überblick über das bisherige Schaffen des Künstlers. In dieser ersten umfangreichen Präsentation von Jonathan Meese in Schleswig-Holstein widmet er sich dem Titel Zuhause, was sowohl die Orte seiner Kindheit als auch einen Heimat-Begriff allgemein einschließt. Die umfangreiche Ausstellungsprojekt beinhaltet sowohl Malerei als auch Installationen, eigens entwickelte Arbeiten und Performances.

Was?Jonathan Meese – »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)« – Mutter / Evolution
Wo? – Kunsthalle St. Annen | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Lübeck
Wann? – Ausstellung vom 31.03.2019 bis zum 04.08.2019


Auf Facebook teilen