Ilna Ewers-Wunderwald: Rotfeuerfisch (Ausschnitt)
Ilna Ewers-Wunderwald: Rotfeuerfisch (Ausschnitt) - Privatbesitz

Ilna Ewers-Wunderwald. Wiederentdeckung einer Jugendstil-Künstlerin

Ilna Ewers-Wunderwalds Leben war sicherlich nicht weniger aufregend als das ihres Ehemannes, des Schriftstellers, Filmemachers und Kabarettisten Hanns Heinz Ewers, den sie auf seinen zahlreichen Reisen begleitete. Und damals, um 1900 herum, war sie auch nicht weniger populär als ihr umtriebiger Gatte. Sie erlangte als gefeierte Illustratorin Bekanntheit, scherte sich nicht um gängige Rollenklischees und lebte ihre Talente auf dem Papier und auch auf der Bühne aus. Ob Nacktbaden mit Homosexuellen auf Capri, Voodoo-Zeremonie mit Menschenopfer auf Haiti oder blutige Hahnenkämpfe in Andalusien: Das Ehepaar Ewers lies nichts aus, was als Inspirationsquell dienen könnte. Während sich sein künstlerisches Schaffen jedoch zunehmend um Gewalt, Pornografie, Drogen und Homosexualität drehte; dominierten in ihrem Werk Märchenfiguren, exotische Pflanzen, groteske Fabeltiere und allerlei phantastische Wesen.

Von einer, die vergessen wurde

1912 folgte nach elf gemeinsamen Ehejahren die Scheidung. Hanns Heinz Ewers verbrachte den Ersten Weltkrieg in den USA und trat in den 1930er Jahren in die NSDAP ein, wo er einen sicheren Platz in der NS-Propaganda innehatte. Und Ilna Ewers-Wunderwald? Wurde vergessen. Einfach so. Während ihr Ex-Mann noch vielfach von sich reden machte, etwa durch seine Verwicklung in den Röhm-Putsch, später auch durch seine Fluchthilfe für verfolgte Juden, durch den Horst-Wessel-Roman und von Goebbels verhängte Vorführverbote, verschwand die einst gefeierte Jugendstil-Künstlerin nach dem Ersten Weltkrieg still und heimlich von der Bildfläche. Zahllose Illustrationen von ihr sind noch erhalten, nicht zuletzt auch auf und in Ewers literarischen Werken. Doch als Künstlerin wiederentdeckt wurde sie erst jetzt, 100 Jahre später.

Private Sammler bewahrten große Teile ihres künstlerischen Nachlasses und ermöglichten damit die Ausstellung „Ilna Ewers-Wunderwald. Wiederentdeckung einer Jugendstil-Künstlerin. Blackbox #6“ vom 28. Februar bis 16. Juni im Bröhan-Museum Berlin.

Die gezeigten Illustrationen sind zweifelsohne hübsch anzusehen und beflügeln vermutlich vor allem die kindliche Phantasie. Klar: Mystisch anmutende Fische, bunte Papageien oder bizarre Pflanzen sind schließlich auch interessant und dekorativ (ja, dekorativ! Das durften sie im Jugendstil nämlich auch sein! Also kein Aufschrei bitte!) und dadurch reizvoll. Aber darüber hinaus dürfte es wohl in erster Linie die spannende Geschichte einer in Vergessenheit geratenen, vielseitigen Frau (eines noch viel vielseitigeren, und darum nicht in Vergessenheit geratenen Mannes) sein, welche einen Besuch im Bröhan-Museum lohnenswert macht. Gehen Sie einfach hin und schauen Sie selbst, ob Sie Ilna Ewers-Wunderwald danach ganz schnell wieder vergessen oder nicht.

Was?Ilna Ewers-Wunderwald. Wiederentdeckung einer Jugendstil-Künstlerin. Blackbox #6
Wo? – Bröhan-Museum | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Berlin
Wann? – Ausstellung vom 28.02.2019 bis zum 16.06.2019


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