Banksy: Love is in the Bin, 2018 (Ausschnitt
Banksy: Love is in the Bin, 2018 (Ausschnitt) - Privatsammlung, Foto: Staatsgalerie Stuttgart, © Banksy

Banksy. Love is in the Bin

Banksy, das ist vielleicht mal einer! Einer, von dem eigentlich niemand weiß, was für einer er ist. Obwohl er den Kunstmarkt seit Jahren ordentlich aufmischt, gelingt es ihm, seine Identität komplett geheimzuhalten. Hier und da tauchen sie auf, seine Werke. An Londoner Straßenecken gesprüht, für wenige Dollar aus dem Bauchladen verkauft oder für einige Millionen bei Sotheby’s versteigert. Street-Art, Emojis und Kapitalismuskritik – da scheint einer den Zeitgeist verstanden zu haben und profitiert finanziell mächtig, sowohl von dem verhassten Kunstmarkt als auch vom Kapitalismus ganz allgemein. Und da nichts über ihn bekannt ist (außer sein ungefähres Alter, das mit 44 angegeben wird), wissen wir auch nicht, ob er nachts tatsächlich vermummt gegen die Ungerechtigkeit in den städtischen Elendsvierteln kämpft oder Champagner schlürfend mit Model-Freundin auf seiner Yacht herumlungert. Aber egal, ob Mali oder Malediven: Eine geheimnisvolle Aura umgibt den zwar nicht sonderlich talentierten, aber dafür recht umtriebigen Kunstrebell.

Das Phantom macht alle froh

Sein bis dato bekanntester Streich war das sich selbst schreddernde „Ballonmädchen“; ein Bild, dessen Zerstörung durch einen eingebauten Mechanismus unmittelbar nach der Versteigerung begann (aber nicht vollendet wurde, da der Mechanismus – zufälligerweise, wie Banksy nicht müde wird zu betonen – stoppte). Das teilgeschredderte Bild ist durch diese medienwirksame Aktion vermutlich noch im Wert gestiegen (Wer hätte das nur ahnen können? Der Reichtum verachtende Banksy sicherlich niemals!) und die anonyme Käuferin hat den zunächst vermuteten Verlust der investierten rund 1,2 Millionen Euro müde hinweg gelächelt (da hat der kleine Schelm ihr aber einen Streich gespielt). Jetzt erst sei das Bild für sie wahre Kunst – so wahr und wertvoll, dass man es gleich erst mal als Dauerleihgabe irgendwo zwischenparkt. Lassen wir dem einfachen Volk sein Vergnügen mit den Schnäppchen und investieren künftig wieder richtige Kunst. Die Staatsgalerie Stuttgart freut sich nun also, dass sie das Skandal-Bild ab dem 7. März dauerhaft, aber an verschiedenen Orten innerhalb des Museums, zeigen kann. Banksy freut sich, weil alle über ihn reden, die Käuferin freut sich, weil sie das Bild los ist und die Besucher freuen sich, weil es nicht ihre 1,2 Millionen waren, die da um ein Haar im Papierkorb gelandet wären. Schön, dass ein kaputtes Bild alle so froh machen kann.

Was?Banksy. Love is in the Bin
Wo? – Staatsgalerie Stuttgart | Link zur Ausstellung | Aktuelle Kunstausstellungen in Stuttgart
Wann? – Ab 07.03.2019