Florentina Pakosta: Zeitgenossen, 1982 (Ausschnitt)
Florentina Pakosta: Zeitgenossen, 1982 - Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2018

Die Männer sind schuld

Nein, Männer scheint sie nicht besonders zu mögen, die österreichische Malerin Florentina Pakosta. Schließlich seien die ja die Täter und die Frauen eher die Opfer. Das ist anscheinend ein Naturgesetz und die Frau hat sich gefälligst auch als Opfer zu begreifen. Darum will sie es ihnen so richtig heimzahlen, dass sie so sind, wie sie eben sind, die lieben Männer. Karikierende Portraits, die überspitzt geschlechtertypische Klischees und Machtphantasien darstellen, sollen der männlich dominierten Öffentlichkeit einen Spiegel vorhalten. Da müssen die dümmlich dreinblickenden Gesichter schon mal im Schraubstock, als Revolver oder Toilettenschüssel herhalten. Dafür wird sie auch als eine der wichtigsten Künstlerinnen des österreichischen Feminismus angesehen.

Die Albertina in Wien zeigt vom 30. Mai bis 26. August mit „Florentina Pakosta“ eine groß angelegte Retrospektive mit Zeichnungen, Druckgrafiken, Selbstportraits und abstrakten Bildern. Was die abstrakten Bilder ab den 1990er Jahren angeht, verwundert es nicht, dass sich zahlreiche von jenen noch im Besitz der Künstlerin befinden. Sie sind nicht schlecht – ganz und gar nicht. Bunte Balken, die so spannende Titel tragen wie „Balkankrieg“ (gelbe Balken auf Blau), „Rosa Flutlicht“ (rosa Balken auf Grün) und „Knotenpunkt 1“ (rote Balken auf Weiß) sind vielleicht handwerklich keine große Herausforderung, aber für Freunde abstrakter Malerei sicherlich göttliche Offenbarung und endloses Quell der Inspiration.

Viel beeindruckender sind die mit Kreide auf Papier entstandenen Werke aus den 1960er Jahren mit den sichtbar gemachten männlichen Allmachtsphantasien. Aber woher all der Hass, all die Wut? Wenn man als Betrachter weiß, dass die inzwischen 85jährige als Kind den Krieg miterlebt und als Heranwachsende zum Kriegsende vor möglichen Vergewaltigern versteckt wurde, erklärt sich vielleicht ein wenig ihre aggressive Haltung, die einem Aufschrei gleicht. Und trotzdem: Ein männlicher Kopf als Abort? Dumm-verzerrte Grimassen oder ein Automobil als Stirn? Lustig ist das nicht, vielmehr möchte man die Künstlerin bedauern ob ihrer Wut und ihrer Aggressivität, die sie in ihren Bildern transportiert, in denen sie starr an Stereotypen festhält, weil ihr das Leben möglicherweise all jene Erfahrungen vorenthalten hat, die dazu beitragen, den Menschen hinter dem Geschlecht zu erkennen, zu mögen, vielleicht auch zu lieben. Nichts Relativierendes, nichts Differenzierendes, nur Zorn und Hohn.

Zugegeben, vielleicht lassen sich diese Zeilen auch so einfach schreiben, wenn man erst weit nach dem Krieg geboren wurde und darum den Luxus genießt, in einer friedlichen Zeit voll selbstverständlicher Gleichberechtigung aufzuwachsen. Aber Florentina Pakosta ist nicht die einzige Künstlerin ihrer Zeit – warum fühlt sie sich durch die Männer dann viel stärker diskriminiert und bedroht als alle anderen? Nein, ihre Werke wirken leider nicht wie eine angemessene Kritik an (damals zurecht monierten), gesellschaftlich problematischen Verhältnissen, sondern wie eine verbitterte, persönliche Abrechnung und Schuldzuweisung an alle Männer, weil sie sind, wie sie eben sind. Und sie übersieht, dass es der Menschheit bis heute durch das starke Geschlecht eben nicht kontinuierlich schlechter ging, ganz im Gegenteil: Menschheit ist trotz aller Rückschläge zum Großteil eine Erfolgsgeschichte und daran sind die Männer eben auch nicht ganz unbeteiligt.

Florentina Pakosta
Kunstausstellung vom 30.05.2018 bis zum 26.08.2018
Albertina | Wien | Österreich
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Kategorie: Kunst zum Betrachten, Kunstausstellung, Kunstmuseum
Veröffentlicht von

Julia arbeitet seit 2001 als freischaffende Künstlerin und ist bei der Organisation zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen beteiligt. Ihre großen Leidenschaften neben der Kunst sind englische Krimis, Comic-Strips und die mediterrane Küche.


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