Adolf Wölfli: Roosali von Indien: Roosali von Rußland: Roosali von China: Und Roosali von Jappan im Skt. Adolf=Roosa=Gaarta, 1922 - Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler
Adolf Wölfli: Roosali von Indien: Roosali von Rußland: Roosali von China: Und Roosali von Jappan im Skt. Adolf=Roosa=Gaarta, 1922 - Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Kunst aus dem Irrenhaus

Es liegt leider in der Natur der Kunst, dass Genie und Wahnsinn sich nicht ausschließen – ganz im Gegenteil, oft bedingen sie einander sogar. Adolf Wölfli war so einer. Ein großartiger und vielseitiger Künstler und zugleich eine von Schizophrenie geplagte, kranke Seele. In der Psychiatrischen Klinik Waldau, wo er mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte, entstanden seine ungewöhnlichen und komplexen Bildkompositionen, die irgendwo zwischen Kinderbuch, Teppichmuster und Fenstermosaik zu liegen scheinen. Es sind beeindruckende, akribisch-kleinteilige, bunte Formen, die zu einem Gesamtbild; zu Landschaften, Tieren und Figuren verschmelzen. Sie wirken exotisch, spiritistisch und auf geheimnisvolle Art naiv und tiefgründig zugleich.

Neben den Bildern umfasst Wölflis Gesamtwerk auch auch Dichtungen und literarische Texte sowie musikalische Kompositionen. Automatisch versucht man, ihn vollends zu erfassen, zu begreifen. Aber wie soll das gelingen bei einem Charakter, der wegen mehrfach versuchter Vergewaltigung Minderjähriger weggesperrt wurde; der halluzinierte Stimmen hörte, aggressiv und besessen von seinem Schaffensdrang war? Seine Bilder öffnen dem Betrachter leider – oder vielleicht auch zum Glück – kein Fenster in seine Seele, aber sie eröffnen ihm phantastische, surreal anmutende Traumwelten in üppiger Farbenvielfalt. Ganz neumodische „Mandalas“ und geometrische Formen, die an das ausgemalte Ergebnis aktueller Erwachsenen-Malbücher erinnern.

Das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel besitzt 95 Arbeiten von Adolf Wölfli aus den Jahren 1905 bis 1930. Aus diesem reichen Fundus zeigt die Ausstellung „Adolf Wölfli. «TIGER = ZOHRN = RIESEN = GLETSCHER»“ vom 19. Mai bis 12. August eine Auswahl von 55 ungewöhnlichen und einzigartigen Werken. Man kann ihn nicht begreifen, den Adolf Wölfli. Man kann nur den Wahnsinn ausblenden und das Genie auf sich wirken lassen. Dann bekommt man wirklich etwas zu sehen.

Adolf Wölfli. «TIGER = ZOHRN = RIESEN = GLETSCHER»
Kunstausstellung vom 19.05.2018 bis zum 12.08.2018
Kunstmuseum Basel | Basel
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